Publizistischer Service

Herstellung von Publikationen

Wollt Ihr ein Buch? Nein? (Schade) Ein Magazin (die Königsdisziplin)? Vielleicht wollt Ihr ein hübsches Chapbook (Ihr wisst nicht, was das ist?) Ganz bestimmt braucht Eure Website eine Generalüberholung – oder wollt Ihr doch lieber den Befreiungsschlag und ganz was Neues?
Ein Podcast-Manuskript? Hört, hört!

Wie wäre es mit einem kompletten Publikationskonzept inklusive Mitarbeiterschulung?

Das Rundumsorglospaket: Beratung und / oder Produktion von der ersten Idee bis zur Druckvorstufe oder Programmierung.

Der Service

  • Konzept
  • Themen- und Stoffsammlung
  • Zielgruppenanalyse
  • Textproduktion und Redaktion
  • Struktur
  • Wording
  • Organisation, Koordinierung der Gewerke und Projektmanagement
    Begleitung und Beratung davor und danach.

Ich stehe gern für ein erstes Gespräch zur Verfügung. Natürlich kostenlos.
Bitte schreibt mir!
weiss@wortwandel.de

Lektorat

Niemand hat Zeit, alles allein zu tun. Außerdem gibt man Texte ab einem gewissen Stadium ohnehin besser aus der Hand.
Der unbefangene Profiblick findet die schwierigen Stellen und geht mit feiner Feder an die Arbeit.

„Nur“ Beratung geht natürlich auch.

Sprachliche Beratung, Lektorat und Redaktion speziell für:

  • Ethnografische Skizzen, auch längere Formen
  • Reportagen und Essays (alle Disziplinen)
  • Sachbuchmanuskripte oder einzelne Kapitel
  • Magazinprojekte
  • Booklets und Chapbooks aller Genres
  • Flash Fiction

Das sehe ich mir an:

  • Sind Sprache und Stil überzeugend und qualitätvoll?
  • Passen Wortwahl und Satzbau zum Genre?
  • Ist der Erzählstrang gut entwickelt? (Fiktive und nicht-fiktive Texte)
  • Ist die Struktur / Kapitelstruktur klar und konsistent?
  • Wo und wie könnten Sie Ihre Erzähltechnik optimieren? (Fiktive und nicht-fiktive Texte)
  • Wo sollten oder könnten Sie kürzen, was weglassen?
  • Sind Figuren und Setting stark genug, um die Geschichte zu tragen? (Fiktive und nicht-fiktive Texte)
  • Stimmen die Dialoge? Falls vorhanden: Funktionieren Slang und / oder Gruppensprachen?
  • Sind die Stimmen angemessen ausgewogen?

Bei Publikationsprojekten: 
Ist das Konzept stimmig und zielführend?

Habt Ihr Fragen?
Schreibt mir eine Mail! Bitte.
weiss@wortwandel.de

Schreibtipps

Die Angst vor dem ersten Satz – besiegt

Die Angst vor dem ersten Satz ist legendär. Ihr werden Schreibblockaden aller Art, Berge zerknüllten Papiers, Verzweiflung und zerraufte Haare angelastet. Die einen warten auf den Musenkuss, die anderen auf die richtige Stimmung, was in der Regel zu nichts führt. Vertrauen Sie auf Handwerk.

Textanfang Sachtext
Die richtigen Fragen – bzw. die Antworten darauf – helfen zuverlässig, den Anfang eines Sachtextes, einer Nachricht oder einer faktizierenden Passage in Magazintext oder Buchkapitel zu schreiben.

Wie so oft, kommt die Hilfe aus der Klassischen Rhetorik, hier in Gestalt des einflussreichsten und berühmtesten Rhetoriklehrer Roms – und Inhaber des ersten öffentlich besoldeten Lehrstuhls der europäischen Bildungsgeschichte. Marcus Fabius Quintilianus (um 35 -100 n.Chr.), kurz Quintilian, ist der Erfinder der W-Fragen. In seinem Werk „Ausbildung des Redners“ lässt er uns wissen:

„Ich gehe nun zu dem Sachbereich über, innerhalb dessen vor allen Dingen unsere Handlungen mit Personen verbunden (das ist das WER und das WAS) und diese zuerst behandelt werden müssen. Bei allem nun, was getan wird, dreht es sich um die Fragen: WARUM?, WO?, WANN?, WIE? und MIT WELCHEN MITTELN ist es getan worden?“

Die W-Fragen für den Textanfang

WER hat        (WEM ist)?

WAS getan     (WAS widerfahren)?

WANN           ist es geschehen?

WO                 ist es geschehen?

Nehmen Sie sich Ihren Stoff, Ihr Manuskript oder Ihren Textplan vor. Beantworten Sie diese erste Gruppe der W-Fragen in einem Satz – damit haben Sie Ihren ersten Satz!

Das ist der erste Satz einer klassischen Nachricht oder einer Pressemitteilung. Auch für faktizierende Passagen in längeren Passagen ist diese Methode geeignet oder z.B. für Kapitelanfänge in Geschäftsberichten.

Dieser erste Satz (gelegentlich auch zwei erste Sätze) bringt die Kernaussage des Textes. In der Nachricht nennen wir es Lead.

Der Kern der Sache: Sie bringen damit sofort auf den Punkt, worum es geht.

Anfänge für narrative Texte
1) Die Kandidatin betrat den halbdunklen Raum durch eine Seitentür. Mit skeptischem Blick betrachtete sie die sechsköpfige Jury. Der Vorsitzende öffnete ein Dossier …

 2) Er ging durch die Hintertür in den Garten: blieb stehen, lauschte hinüber nach dem Nachbargarten. Kein Laut …

 3) Nachdem ich unter einer vortrefflich aufgeblühten Sonnenblume nahezu ausgedorrt war, pflanzte ich mich auf einen Kürbis …

Hier bringt niemand irgendetwas auf den Punkt. Ganz im Gegenteil.

1) Die Kandidatin scheint in einer schwierigen Situation zu sein. Kommt sie da raus?

2) James Joyce’s Ich-Erzähler sucht eine Frau. Wird er sie finden?

3) Raymond Queneau schließlich führt uns in seinen Stilübungen auf so absurd-komisches Glatteis, dass wir schon wissen möchten, was da vor sich geht.

Der Anfang eines narrativen Textes stellt also nicht in kompakter Form ein Ereignis dar, das bereits stattgefunden hat wie in der Nachricht. Vielmehr setzt er eine Handlung in Gang, die im Laufe der Geschichte erzählt wird.

Klassische Anfänge für narrative Texte

  • Szenischer Einstieg
    (stellt Leser mitten ins Geschehen)

    Mattioli riss die Tür auf und rannte mit erhobenen Fäusten auf seinen Gegner Rangone zu.

  • Kontraste
    Kontraste sind auch ein geeigneter Einsteiger, da sie gute Leerstellen lassen, die Spannung erzeugen.

    Der Pianist startete die Betonmischmaschine …
  • Action

    Das Auto beschleunigte, benutzte die parkenden Wagen als Rampe und schaffte den Sprung über den Kanal auf die andere Seite.

  • Anrede des Lesers und der Leserin

    Wussten Sie, dass es im letzten Winter am Nordpol wärmer war als in weiten Teilen Europas?

  • Überraschende statistische Angabe

    85 % aller Beschäftigten sind unzufrieden mit ihrer Arbeit.

Der Kern der Sache: Mit dem Anfang eines narrativen Textes bereiten Sie eine Handlung vor. Im idealen Fall produzieren Sie eine Leerstelle oder einen Cliffhanger: Das bringt Spannung.

Wie man ein Magazin macht
„Machen wir nebenbei“, meinen die einen. Andere halten es für eine Geheimwissenschaft und fangen gar nicht erst an. Schade, denn: Ihr könnt es lernen.

Ins Schreiben kommen
Über Talentmythen und innere Schweinehunde und wie sie Euch von der Glückseligkeit des Schreibens abhalten

Einblicke gibt’s bald hier in unserer neuen Reihe “Humboldts Holographen”

Was ist eine Geschichte? Kleine Erzähltechnik für Einsteiger

Was ist eine Geschichte?

Geschichten sind der Königsweg zu jedem Publikum. Geschichten zieren das Magazin, das Blog, die Social Media-Kanäle und manchmal auch den Newsletter. „Geschichte“ ist ein Sammelbegriff für verschiedene erzählende Textsorten. Geschichten sind anschaulich geschriebene Texte, konkret und bildhaft verfasst. Natürlich lenkt uns der Begriff „Geschichte“ ins Märchenhafte, was auch seine Richtigkeit hat.
Aber wir müssen unterscheiden: Es gibt fiktive Geschichten wie Märchen, Romane, Drehbücher ect. und nicht-fiktive Geschichten wie Reportagen oder Newsstorys, die von realen Ereignissen oder von realen Sachverhalten erzählen. Das Feature, eine anspruchsvolle narrative Textsorte, kann reale mit fiktiven Komponenten verbinden.

Wie schreibt man eine Geschichte?
Das (scheinbar) Simpelste vorweg:

Der Text ist gegliedert in Anfang, Mittelteil und Schluss. Ist der Text länger, kann der Mittelteil in sich gegliedert sein. Was so trivial klingt, ist eine der Regeln, die am häufigsten gebrochen wird. Unstrukturierte Texte sind unleserlich. Das Gehirn will Ordnung und Konsistenz.

Als nächstes:

Ein Text, eine Geschichte. Ist der Anfang einmal gemacht, bleiben wir konsequent beim Thema.

Was heißt das? Jeder Text braucht einen roten Faden.
Alle Text-Komponenten sollten etwas mit dem Thema zu tun haben. Der Schreibforscher und -didaktiker Otto Kruse erklärt, warum das wichtig ist:

 „Ein Erzähler wählt aus dem Ereignisstrom relativ willkürlich einen Ausgangspunkt und ein Ende für seine Geschichte, greift einen bestimmten Akteur oder Protagonisten heraus und beschreibt selektiv einige Ereignisse, die zwischen Beginn und Ende der Geschichte liegen, während er viele andere Ereignisse ausschließt. Werden die gleichen Ereignisse aus der Sicht eines anderen Protagonisten erzählt, ergibt sich eine andere Geschichte, ebenso dann, wenn der Zeitpunkt des Beginns oder des Endes anders gesetzt wird oder wenn die Auswahl der geschilderten Ereignisse verändert wird. Über jedes Ereignis lassen sich also fast beliebig viele Geschichten erzählen.“

W-Fragen

Die W-Fragen, geläufig  aus der Nachrichtenschreiberei, sind auch beim Verfassen von Geschichten äußerst nützlich.

WER   Wer oder was könnte die tragende Figur sein?

WAS    ist das Anliegen der Figur?

WAS    geschieht?

WER oder WAS treibt die Handlung voran?

WO? und WANN? Ort und Zeit der Handlung / auch Zeitrahmen

Blick- und Figurwechsel
Der Wechsel des Blicks auf Detail, Halbtotale und/oder Totalemacht den Text lebendig.Er schafft außerdem eine gute interne Struktur für den Mittelteil einer Geschichte.

Aber Achtung: Bei allen Blickwinkeln ist die Gefahr groß, sich zu verzetteln. Wer erst einmal angefangen hat, eine Szenerie in der Totale, also quasi aus großer Höhe zu zeigen, gerät leicht vom Hölzchen aufs Stöckchenund beschreibt die halbe Welt. das Haus, das Haus daneben, das daneben … Dasselbe gilt für den Blick auf die Details. Man verliebt sich, ehe man’s begreift, in all die schönen goldenen Worte, die – wie sich zu unserer Überraschung herausstellt – nur uns selbst gefallen. 

Der Wechsel der Figuren schafft Dynamikund eine starke Andockstelle an die Lebenswelt des Publikums. Es ist eine Alltagssituation.

Blockaden überwinden
Das Ein- und Auszoomen hilft auch, Blockaden zu überwinden.Am bestenüben Sie es an ganz gewöhnlichen Dingen. Gehen Sie kurz hinaus und beobachten Sie eine normale Alltagsszenerie. Beschreiben Sie die nächstbeste Szene – Menschen unterhalten sich, ein Hund macht Possen, ein Polizist schnappt einen Radfahrer auf dem Gehweg usw. Beschreiben Sie die Personen und ihre Handlungen so genau wie möglich. Dann könnten ggf. allgemeine Gedanken zur Plage der Radfahrer auf dem Gehweg folgen. Anschließend betrachten Sie wieder ein einzelnes Detail und ziehen den Blickwinkel danach wieder auf. Beschreiben Sie den Hintergrund, die Straße, die Häuserfassaden, die Weide, die Wiese …

Denken Sie an Szenenwechsel in Filmen. Es funktioniert in Texten ganz ähnlich.

Blick- und Figurwechsel im Einzelnen

Details
z.B. Gesichtsausdrücke, (Einrichtungs-)Gegenstände oder kleine Bewegungen.

Halbtotale – zeitlich und räumlich
z.B. ein begrenzter Zeitraum, ein Raum in einem Gebäude, eine Episode in einer Serie von Ereignissen

Totale – zeitlich und räumlich
z.B. ein längerer Zeitraum, ein Gebäude oder eine ganze Stadt oder Landschaft

Textökonomie – eine Empfehlung
Eine Textökonomie wie diese kann für den Anfang ein hilfreiches Werkzeug sein. Es hilft, Struktur und Proportionen des Textes im Auge zu behalten. Die Angaben beziehen sich auf eine mittelgroße Handschrift, wahlweise für die Formate DIN A4 oder DIN A5.

Anfang
DIN A4: ca. 4 Zeilen
DIN A5: ca. 5 bis 6 Zeilen
(ca. 200 bis 400 Zeichen)

Mittelteil
DIN A4: 43 bis 45 Zeilen
DIN A5: ca. 58 bis 60 Zeilen
(ca. 1500 bis 2500 Zeichen insgesamt)
Schlüsselszene = Umschaltpunkt
DIN A4: bei ca. Zeile 18 bis 22 des Mittelteils
DIN A5: bei ca. Zeile 25 bis 28 des Mittelteils

Schluss
DIN A4: ca. 4 bis 5 Zeilen
DIN A5: ca. 7 bis 8 Zeilen
(ca. 250 bis 400 Zeichen)

Gesamt (Handschrift)
DIN A4: ca 3 Seiten
DIN A5: ca. 5 bis 6 Seiten

Viel Vergnügen!

Wer sich vergegenwärtigen will, welch große Bedeutung das Erzählen für den Menschen und das menschliche Zusammenleben hat, der sollte den Versuch unternehmen, sich eine Gesellschaft vorzustellen, in der nicht erzählt wird“, erklären die Literaturwissenschaftler Tilmann Köppe und Tom Kindt in ihrem wunderbaren Buch über Erzähltheorie.

Ein entsprechendes Vorhaben“, so Köppe und Kindt weiter, „stellt unser Vorstellungsvermögen offenkundig vor eine kaum zu lösende Aufgabe. Vermutlich liegt das nicht zuletzt daran, dass uns für ein solches Gedankenspiel die Vorbilder fehlen; wir wissen von keiner Kultur, die ohne das Erzählen ausgekommen ist, und wir kennen weder eine gegenwärtige Gesellschaft noch eine erdachte Welt, in der dies der Fall ist. Wo immer Menschen zusammenleben, so lehrt die Erfahrung und bestätigen Geschichtsschreibung und Volkskunde, da wird auch erzählt. Es handelt sich beim Erzählen, kurz gesagt, um eine anthropologische Universalie.

Tilmann Köppe, Tom Kindt, Erzähltheorie. Eine Einführung.
Reclams Universal-Bibliothek Nr. 17683 (Stuttgart 2014)