Ein gutes Notizbuch ist ein kulturelles Ereignis. Das Papier, die Bindung, der Einband, eine Schlaufe für den Stift. Das leere Notizbuch lockt uns mit Sirenengesang, etwas hineinzuschreiben. Dann schlagen wir es auf, nehmen den Stift in die Hand und dann … und dann …

Schreibwerkstatt

Das Notizbuch

Kurze Anmerkung zu einer Kulturtechnik

Susanne Weiss

Nein, es ist viel zu schön. Es geht nicht. Ich kann da nichts hineinschreiben.


Gehört Ihr auch, liebe Schreibfreunde, zu den Menschen, die jede Menge leerer Notizbücher besitzen – eines schöner als das andere? Versprechen auf zukünftige große Werke? So lange es da liegt in all seiner Schönheit, haben wir alles noch vor uns. Nichts ist entschieden.

In der Zwischenzeit vertrauen wir unsere Notitzen dem billigen Collegeblock an. Wir schreiben ein paar Ideen und Konzepte hinein, nichts Endgültiges. Alles ist offen. Wenn es ernst wird, haben wir ja unsere Schönheiten aus edlem Papier und lockender Verheißung.

Der Collegeblock nimmt auch erste Fassungen von Texten auf, auch zweite und dritte, je nachdem. Die Schreibdiziplin ist noch nicht auf dem höchsten Stand. Das Notizbuch hingegen würden wir nie fahrlässig mit Halbgarem besudeln. Oder doch?

Bei Leonardo sieht alles, was er in seinen Heften notierte, sehr ordentlich aus – trotz der Spiegelschrift (Leonardo war Linkshänder). Er trug stets ein Heft am Gürtel, um Musenküsse und Geistesblitze festzuhalten. Sie mit der Hand zu notieren, ist die beste Art. Also schreibt lieber nicht mit dem Telefon.

In dieser nützlichen Sammlung goldener Worte findet Ihr eine kleine Handreichung, warum es manchmal wichtig ist, mit der Hand zu schreiben. 

Das Stück dort heißt Tippen macht dumm”.