Die Navigator-Blickführung in der Headline-Matrix

Dynamisch, knackig, flott. So sollen sie sein, die Texte. Cool natürlich auch. Die Bundeszentrale für Politische Bildung macht’s vor. „Journalismus trifft digital“ kündigt sie für irgendwas an und verwandelt so mir nix dir nix „Bildung“ in Marketing-Kauderwelsch. Kein Wunder, dass die Leute das Vertrauen in staatliche Institutionen verlieren. Aber darum sollte es gar nicht gehen. Eher schon um Marketing-Kauderwelsch in der Schreibwerkstatt. Unsereiner hantiert ja noch mit alt eingesessenem Handwerk, mit klassischer Rhetorik hier und da und hin und wieder sogar mit einem wissenschaftlichen Begleitprogramm. Das ist zwar verdammt gut, aber so cool wie die Bundeszentrale sind wir nicht. Bei uns gibt’s leider nur Überschriften, keine „Headline-Matrix“. Wir wissen auch eine Menge über Zielgruppen und wie man sie trennscharf umzingelt. Sie aber targets zu nennen, wie die Coolen unter den Schreiblehrern es tun, ist uns dann doch ein bisschen zu militärisch. „Identifikationserschaffung zwecks Gewinnerzielungsabsichten“ fanden wir besonders schön. Das muss man erstmal bringen. Gleich darauf folgt der „Aufbau der emotionalen Verbundenheit“ – Achtung Leute, das ist die schreibende Couch, nicht zu verwechseln mit dem Schreibcoach.
Ja, da wird die Aufmerksamkeitserregungspflicht des Textes schnell zum Stressfaktor. Da hilft auch die „Navigator-Blick-Führung“ nicht mehr. Das „Dialog-Konzept“ sitzt auch schon lange nicht mehr richtig. Dynamisch, knackig und flott lauern die Neokollokoren hinter jeder Ecke und feixen sich einen, wenn Sie trotz der „Headline-Matrix“ immer noch keine Überschrift gefunden haben.

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