Plastikwörter für den täglichen Gebrauch

Wie Sie gezielt an jedem beliebigen Thema vorbeireden (und dabei wie ein Experte wirken)

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing

Es gibt eine Gruppe von Wörtern, die sich bei der Produktion von Frames,  Manipulationen und konstruierten Zusammenhängen besonders hervortut. Mit ihrer Hilfe ist es kinderleicht, an jedem beliebigen Thema gezielt vorbeizureden und jede Art von Genauigkeit zu vermeiden.
Schon 1988 hat der Literaturwissenschaftler Uwe Pörksen sie beschrieben und anlaysiert:
„Plastikwörter. Die Sprache einer internationalen Diktatur“ heißt sein Buch, heute wichtiger denn je. Es sind die Wörter ohne Eigenschaften, auf die sich jeder einen eigenen Reim machen kann.

Beispiele:
Zukunft, Projekt, Identität, Entwicklung Modernisierung Kommunikation, Beziehung, Entwicklung, Partner, Identität, Struktur, Strategie, Lösung, Fortschritt, Produktion, Konsum, Ressource, Versorgung, Modernisierung und als Errungenschaft unserer Zeit und als Plastikwort unschlagbar:  Digitalisierung.

Warum funktionieren Plastikwörter?

Dazu Pörksen: „Diese Plastizität der Wörter macht sie so ungemein geeignet, die vielgestaltige und in lauter Zwischenstufen bestehende Wirklichkeit beweglich zu treffen. Wörter sind der Möglichkeit nach dehnbar. Man ist meistens kaum in der Lage, einen Begriff aus dem Stegreif zu definieren; im konkreten Gebrauch dagegen, auf ein Gegenstandsfeld bezogen, nehmen die Wörter kraft der Stelle, die der Sprecher ihnen zuweist, ihre spezielle Bedeutung an und sind beliebig nuancierbar.“

Verwandte der ursprünglichen Form sind auch Schönheiten wie:  Konfiguration, Implementierung, Determiniertheit, Mehrebenensystem, Kreativitäten, Dynamiken, Politiken, Synergieeffekte, clustern und fokussieren.
Sie stammen aus den Sozialwissenschaften und sind Juwelen unter der Sonne. Ihre üppige Verwendung in Papers und Anträgen wird mit Zuwendungen in erheblicher Höhe belohnt.

Anbei einige Übungen für den professionellen Gebrauch von Plastikwörtern.

Die Übungen

Entwicklung, Sexualität, Beziehung, Kommunikation, Grundbedürfnis, Rolle, Information, Produktion, Rohstoff, Ressource, Konsum, Energie, Arbeit, Entwicklung, Partner, Entscheidung, Management, Austausch, Service, Versorgung, Fortschritt, Problem, Planung, Lösung, Funktion, Faktor, System, Struktur, Strategie, Verwertung, Kontakt, Substanz, Identität, Wachstum, Trend, Modell, Lebensstandard, Modernisierung, Prozess, Projekt, Zentrum, Zukunft – und unser Neuankömmling: Digitalisierung

ÜBUNG 1
Bilden Sie aus diesen Wörtern Sätze. Benutzen Sie möglichst Verbisoiden (nach Fforde), also nominale Verbenfresser oder (wenn dies noch nicht gelingt) kombinieren Sie sie mit schwachen Verben, wie zum Beispiel:
ausweisen, abbauen, beitragen, werden, finden, meinen, verbessern, sichern, stärken, zuordnen, darstellen, verfolgen etc.

Beispiele als Vorlage:
1) Die Strategie trägt zum Abbau von Ressourcen bei, solange Substanz und Funktion in fortgeschrittenen Zukunftsprozessen den Konsum von Energie stärken.
2) Das Projekt Digitalisierung sichert ein zukunftsorientiertes Management und trägt dazu bei, die Entwicklung des Wachstums zu stärken.

ÜBUNG 2
Bilden Sie aus den Wörtern ad hoc neue Komposita. Sie werden überrascht feststellen, wie problemlos sich mit den zusammengesetzten Plastikwörtern der Eindruck hochmögender Expertise erzeugen lässt. Zugleich wirken Sie damit nach außen neutral, objektiv und unpersönlich – wie ein „Experte“ eben.

Beispiele als Vorlage:
1) Arbeitsenergie; Zukunftsmanagement; Informationsidentität; Verwertungsstrategie; Fortschrittsstrategie etc.

Wer weiterüben möchte:
Bilden Sie Sätze wie in Übung 1 angegeben, aber benutzen Sie dafür ad hoc gebildete Komposita.

Der Nutzen:
Bei ausreichender Übung und dem festen Willen zur Verschleierung können Sie bald erfolgreich an jedem beliebigen Thema gezielt vorbeireden.

Abbildung: Pixabay

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing