Der perfekte Text …

Fangen wir klein an: Mann beißt Hund.
„Mann beißt Hund“ können wir als perfekten Text betrachten. Klar wie ein Gebirgsbach und genau so musikalisch. Mann beißt Hund, Subjekt, Prädikat, Objekt. 85 % aller Sprachen weltweit gruppieren Prädikat und Objekt um das Subjekt.

„Mann beißt Hund“ ist eine uralte Nachrichtenregel. Hund beißt Mann ist auch ein schöner klarer Satz, aber keine Nachricht.
„Kater sprengt Küche“ ist auch sehr schön. „Kater sprengt Küche“ war eine Schlagzeile in einer Berliner Boulevardzeitung. Frei erfunden ist hingegen die Behauptung „Der Minister sagt die Wahrheit“. Subjekt, Prädikat und Objekt verhalten sich unbedingt manierlich. Über den Inhalt des Satzes wollen wir nicht spekulieren.

Wir ahnen schon, wo es hingeht. Den „perfekten“ Text gibt es natürlich nicht. (Misstrauen Sie Leuten, die Ihnen die „fünf ultimativen Tipps“ für den „knackigen Text“ mit der „magnetischen Überschrift“ andrehen wollen.) Aber selbstverständlich gibt es Kriterien für gute Texte.
„Klar wie ein Gebirgsbach“ trifft es schon ganz gut, wenn wir über Sachtexte reden. Um die soll es hier gehen. (Später wird es auch etwas zu den Kriterien für gute narrative Texte geben.)
Nota bene: Dies sind die simpelsten aller simplen Grundlagen. Diese Tipps sind keine Schreibwerkstatt!

Wortwahl
Wir verwenden präzise – anschauliche – Wörter. Wir sagen nicht „Gebäude“, wenn wir wissen, dass es ein Fachwerkhaus ist. Wir sagen „Apfel“ und nicht „Obst“, Verwendete Wörter sind bekannt, Fachwörter werden erklärt.

Satzbau
Sätze sind nicht allzu lang – aber Vorsicht vor Kurzatmigkeit. Die zwanghafte Aneinanderreihung kurzer Haupstätze kann asthmatisch wirken. Der Wechsel kurzer Hauptsätze mit Satzgefügen aus Haupt- und (kurzem) Nebensatz ist erlaubt. Mehr als ein Nebensatz an einem Hauptsatz ist nicht erlaubt.

Die Sitzung war zu Ende.
Ein schöner Satz am Schluss eines Textes.

Die Sitzung war zu Ende. Die Teilnehmer gingen nach Hause. Die Letzte machte das Licht aus.
Keine schöne Reihung. (Erlaubt ggf. in literarischen Texten.)

Besser:
Nach dem Ende der Sitzung gingen alle Teilnehmer nach Hause. Die Letzte machte das Licht aus.

Jetzt haben wie sogar einen Wechsel zwischen einem längeren Satz (10 Wörter) und einem kurzen Satz, das Hausmittel gegen Langeweile beim Lesen

Struktur
Ordentliche Texte haben eine Struktur. Zuallererst sind Texte in Anfang, Mittelteil und Schluss untergliedert. Sie halten das für trivial? Verstöße gegen diese einfache Regel sind die Regel.
Die innere Ordnung des Textes ist für Leser entscheidend, damit sie einen Text erfassen zu können.

„Pefekte Texte“ zu üben, mit anderen Worten: Subjekt, Prädikat und Objekt in Schachtel- und Bandwurmsätzen zu finden und in eine gute Ordnung zu bringen, ist eine niemals vergebliche Grundlagen- und Rhythmusübung.

Finden Sie Subjekt, Prädikat und Objekt in diesen beiden Sätzen und schreiben Sie sie um.

Aus einem Bulletin, das am Vorabend herausgeben wurde, ging hervor, dass der Minister die Wahrheit sagte. 

Im Rahmen der Ausstellung werden darüber hinaus von den Veranstaltern die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie zum Thema Politikermoral gezeigt.