DER KRIMI UND DIE KLASSISCHE RHETORIK

Richard Alewyn (Anatomie des Detektivromans)

„Im Detektivroman kann man das ganze Arsenal der rhetorischen Chrie [Anleitung für eine schriftliche Ausarbeitung] aufgeboten sehen:

Quis? [Wer]
Quid? [Was]
Ubi? [Wo]
Quibus auxiliis?
[Mit welchen Mitteln]
Quomodo? [Wie]
Quando? [Wann]

Wann ist der Mord geschehen? Wo ist er geschehen? Durch welche Mittel ist er geschehen? Wer hatte Zugang dazu? Wer hatte ein Motiv? Wer ist überhaupt der Tote? War es überhaupt ein Mord?“

Der Anfang aller W-Fragen:
„Ich gehe nun zu dem Sachbereich über, innerhalb dessen vor allen Dingen unsere Handlungen mit Personen verbunden und diese zuerst behandelt werden müssen. Bei allem nun, was getan wird, dreht es sich um die Fragen:

Warum?, wo?, wann?, wie? und mit welchen Mitteln ist es getan worden?“

Diese zeitlos schönen Sätze stammen von Quintilian (um 35 – 100 n. Chr.), dem einflussreichsten und berühmtesten Rhetoriklehrer Roms. Sein Hauptwerk ist die „Ausbildung des Redners“. Quintilian verdanken wir – in leichter Abwandlung – Regeln, die bis heute in jeder handwerklich guten Schreibpraxis aller Genres (außer in der Poesie) gelten.

Foto: Weiss, Motiv: Look 54, Berlin